Essen aus dem Internet ist ein Geschäft – und manchmal ein Segen

Essen online bestellen ist ein weltweiter Trend, der in der Schweiz zunehmend Freunde findet. Auch die Post liefert online bestellte Lebensmittel – sogenannten E-Food. Damit lässt sich aber nicht nur ein Geschäft machen. E-Food kann Menschen in Not helfen, wie «Nanas Lunchbox» beweist.

Zu Beginn von «Nanas Lunchbox» stand ein Schicksalsschlag. «Mein damals 8-jähriger Sohn erkrankte an Leukämie. Unsere eigenen Kräfte reichten oft nicht aus, um mehr als einen Teller Pasta zu kochen», erzählt Nannette Keller. Damals kam sie auf die Idee, dass Essen doch bequem online bestellt und per Post geliefert werden könnte. «Wenn jemand in der Familie schwer krank ist, erleichtert eine gelieferte Mahlzeit das Leben ungemein.»

Helfen mit E-Food
Vor drei Jahren hat Nannette Keller ihre Idee zusammen mit Beatrice Wespi und Nicole Eisenring in die Realität umgesetzt. Der Verein beliefert seit 2016 im Raum Bern – und neu per Paketpost auch schweizweit – von Schicksalsschlägen getroffene Familien mit feinem Essen. Ein Lichtblick in schwierigen Zeiten möchte «Nanas Lunchbox» sein. Selbst gekocht wird bei «Nanas Lunchbox» jedoch nicht. Zubereitet und verschickt wird das Essen vom Restaurant «la CULTina» aus in Bern. Die Menus sollen gesund sein und vor allem schmecken. «Sich hinsetzen und gut essen – und die Sorgen für einige Augenblicke vergessen», ist das Credo von Nannette Keller. Mit der Küche von «la CULTina» hat sie einen Partner gefunden, der perfekt zur Idee passt. Das Schulrestaurant kocht nicht etwa für Schulen, sondern schult vorläufig in der Schweiz aufgenommene Menschen für Berufe in der Gastronomie.


E-Food noch auf kleiner Flamme

Mit der grossen Kelle angerührt wird E-Food in der Schweiz trotz guter Ideen wie «Nanas Lunchbox» noch nicht. Bei Herr und Frau Schweizer kocht E-Food noch auf kleiner Flamme und ist mit rund 2 Prozent Marktanteil zehnmal kleiner als beispielsweise in Südkorea (siehe Infobox). Doch die Tendenz zeigt nach oben und das Angebot wird stetig grösser. Davon profitieren auch die Kunden der Post. Denn frische Lebensmittel und online bestelltes Essen pünktlich liefern, gehört zum Service.

Post liefert Warenkorb direkt zur Haustür
Auch wenn wir in der Schweiz noch keine asiatischen Verhältnisse haben – die Post schaut ebenfalls über den Rand des Nudelsuppen-Tellers. Regionale Produkte direkt an die Haustüre zu liefern, ist bei der Post schon gängige Praxis. So nutzen bereits rund 40 Schweizer Produzenten das Angebot der Post und verschicken frisches Gemüse aus der Region an ihre Kunden. Laufend kommen neue Produzenten hinzu und die Zustellung regionaler Produkte durch die Post erfreut sich wachsender Beliebtheit.

 

«Toller Service der Post»
Doch zurück zu «Nanas Lunchbox»: Bis die gut gekühlten Menus aus dem Restaurant «la CULTina» auf dem Esstisch der Familien landen, ist viel Logistik nötig. Und hier kommt die Post mit ins Spiel. «Mit dem tollen Service der Post gelangen unsere Lunchboxen innert 12 Stunden zu den Familien», freut sich Nannette Keller. In der Stadt Bern bringt der Pöstler das Paket gleich selbst bis zur Haustür – und wenn die Lunchbox woandershin muss? «Dann geht’s per Paketpost über Nacht in die ganze Schweiz, das klappt wunderbar.»

Essen zum Selbstkostenpreis oder darunter
Auch wenn das Konzept von «Nanas Lunchbox» wohl durchdacht und kalkuliert ist; etwas mit E-Food verdienen, ist nicht das Ziel. «Für Familien mit einem schwerkranken Kind oder einem an Krebs erkrankten Partner sind manchmal bereits die wenigen Franken für unsere Menus zu viel», sagt die 48-Jährige. In solchen Fällen offeriert sie die Lunchbox bewusst unter dem Selbstkostenpreis. Um das finanzieren zu können, ist der Verein auch auf Spenden angewiesen.

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Info:
Ganz konkret kann jede und jeder online eine Spende auf der Website von «Nanas Lunchbox» machen. Mit wenigen Klicks können aber auch Angehörige und Freunde mithelfen, indem sie eine Mahlzeitenbox schenken und einer Familie per Post schicken lassen.

 

Asiaten machen es vor

Was bei E-Food alles drin liegen würde, zeigen einmal mehr asiatische Staaten. Denn E-Food geht weit über Pizza bestellen hinaus. In Städten wie Seoul weicht das Mittagessen im Restaurant dem online bestellten Essen von Strassenküchen. Was immer einen gelüstet – einfach online bestellen und wohin auch immer hinsenden lassen. E-Food wird per App online bestellt, innert Minuten zubereitet und ebenso schnell per Kurier angeliefert. Das gilt auch für Früchte und Gemüse. Jeder fünfte Onlinekauf auf der koreanischen Halbinsel besteht bereits aus Lebensmitteln. Die dann – egal ob gekocht oder roh – prompt und zuverlässig beim Kunden ankommen. Im weltweiten Onlinehandel ist der Umsatz mit E-Food sogar noch grösser als das Geschäft mit Elektronikartikeln. Einzig die Mode läuft dem Essen online den Rang ab und dürfte zumindest vorläufig Spitzenreiter bleiben.

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