«Wir wollen möglichst keine Luft transportieren»

Der 18jährige Joschua Rätz hat eben das dritte und damit letzte Jahr seiner Ausbildung bei der Schweizerischen Post zum Logistiker begonnen. Nach intensiven Ausbildungswochen unter anderem im Paketsortierzentrum Härkingen arbeitet der künftige Postbote zurzeit in Gränichen in der Zustellung. Und dies gleich als Chef: Im 14-köpfigen «Junior-Team Zustellung» der Post üben die erfolgreichsten Lernenden der deutschen Schweiz die Rolle auch als Teamleiter.

Auch wenn sein zufriedenes Grinsen und sein Leuchten in den Augen unübersehbar sind: Die Fahrt mit dem mächtigen Containerkran hoch über den Güterzugskompositionen und Lastwagen auf dem Werkareal des Postpaketsortierzentrums Härkingen (SO) war für Logistikerlehrling Joschua Rätz zwar ein Zückerchen. Höhepunkt in seinen zwei von drei Ausbildungsjahren zum Postboten war es aber nicht. Vielmehr stellt der 18-Jährige der tägliche Kontakt mit seinen Kunden auf dem Botengang in Gränichen bei Aarau bei jedem Wetter von Haus zu Haus auf: «Ich könnte nie den ganzen Tag ohne direkten Kundenkontakt eingeschlossen im Büro arbeiten», stellt der junge Mann in der drückenden Sommerhitze auf dem Dach seiner einstigen Ausbildungsstätte klar, derweil im Hintergrund emsig gelbe Postcontainer auf dem Hofareal verschoben werden.

Joshua_Raetz

Hier im Sortierzentrum hat Joschua Rätz in seiner bisherigen Berufslehre insgesamt sechs Wochen verbracht und die verschiedenen Arbeitsprozesse rund um eine Postsendung kennengelernt: Als künftiger Zustellbote betreute er angelieferte Güter von Geschäftskunden. Er lud Lastwagenladung für Lastwagenladung während Tagen mit immer schwereren Armen aufs Förderband. Oder er reparierte in der Paketklinik schlecht oder ungenügend verpackte Sendungsinhalte. Er kurvte mit dem Schlepperfahrzeug zwischen Lagertürmen prüfungsreif rum und verarbeitete für die automatische Sortierung ungeeignete Sendungen von Hand weiter.  Wie er auf dem Rundgang durch seine gut zehn Fussballfelder grosse Ausbildungsstätte in Härkingen erklärt, hat er Tonnen von sortierten Paketen am Ende der Förderanlagen in die entsprechenden Behältnisse geladen – je nach Postleitzahl in einen der vielen Orte der Schweiz.

Gelernt und vielfach geübt hat Joschua Rätz auch hier im Paketsortierzentrum, dass jeder Kubikzentimeter im zu beladenden Fahrzeug geschickt ausgefüllt werden muss. «Wir wollen mit unseren Fahrzeugen keine Luft herumtransportieren», benennt er vor einem eben wegfahrenden Lastwagen an der Abgangsrampe einen der einverleibten Leitsätze der Logistik: Den effizienten, kostengünstigen und zeitgerechten Transport von Gütern von A nach B. Das ist es denn auch, was Joschua Rätz bei seinem Berufsentscheid am Ende der Volksschule umgetrieben hat: «Ich bin neugierig auf den Prozess und auf den Weg, den ein Produkt vom Produzenten zum Abnehmer durchläuft. Aufgabe und Empfang sind dabei nur die Eckwerte».

 

Lernende managen Zustellteam selbst

Genau diesen eigenverantwortlichen Spielraum füllt Joschua Rätz nach dem Ausbildungsblock Paketsortierzentrum jetzt auch im dritten Lehrjahr in der Zustellung in Gränichen aus: «Wie ich das Fahrzeug sinnvollerweise für meine Tour belade und meine Fahrt zu den Kunden einteile, ist in meiner Verantwortung», sagt der künftige Postbote nicht ohne Stolz. Auf der Tour im direkten Kontakt mit den Kunden ist seine Selbständigkeit und Entscheidkompetenz weiter gefragt – «Mein Chef ist da im Gegensatz zu anderen Berufslehren ja nicht gleich um die Ecke».

Das macht der 18-Jährige ganz offensichtlich mit Erfolg: In Gränichen ist Joschua Rätz Teil des einzigen «Junior-Teams Distribution» der Post, das von den Lernenden jeweils als Teamleader im Turnus geleitet und geführt wird. Die besten Lernenden des ersten Lehrjahres aus der Deutschschweiz führen hier ein 14-köpfiges Team aus Lernenden des zweiten und dritten Lehrjahres zusammen mit ausgelernten Zustellkräften. Die «Juniors» führen das Team, entscheiden über Einteilung der Arbeit, Dienstpläne und Touren je nach Tagesmenge, vertreten die Abteilung in Sitzungen und kümmern sich eigenständig um Kundenanliegen in ihrem Einzugsgebiet. Im Hintergrund steht ein Coach, der das Team bei Bedarf beratend unterstützt.

Vorbild dieses einzigartigen Logistiker-Teams in der Schweiz sind die sieben Lehrlingspoststellen im Postnetz, die eigenständig von Lernenden geführt und betrieben werden. Dank der guten Erfahrungen mit den Lernenden seit 2008 hat die Schweizerische Post das Ausbildungsmodell auf das Zustellteam in Gränichen ausgeweitet.

 


Ausbildungsstätte Post

  • Die Schweizerische Post gehört mit 2’115 Ausbildungsplätzen in 13 verschiedenen Berufen ((2017) zu den grössten Ausbildungsbetrieben der Schweiz ( Lehrstellen). Die Post hat die Anzahl der Ausbildungsplätze kontinuierlich erhöht: Im Jahr 1999, nach der Trennung der PTT in Swisscom und Schweizerische Post, zählte die Post noch 949 Lernende.  Die Ausbildungsquote beträgt bei der Post aktuell 5,9 Prozent.
  • Unter den 746 Lehrabgänger gibt es 232 Logistiker EFZ Distribution (Link Logistiker)
  • 363 Lehrabgängerinnen und Lehrabgänger haben sich entschieden, nach erfolgreicher Ausbildung bei der Post ab August dieses Jahres auch eine Stelle im Unternehmen anzutreten
  • Anfangs August haben 710 Lernende ihre Berufslehre begonnen
  • Auf diese Ausbildungsgänge haben sich fast 11’000 Jugendliche beworben
  • Die Schweizerische Post entwickelt sich laufend weiter und passt ihr Ausbildungsangebot entsprechend an. So investiert sie gezielt neu auch in ICT-Fachkräfte. Mit Lehrstart in diesem Jahr bietet die Post erstmals die Lehre „ICT-Fachfrau / ICT-Fachmann“ an
  • Interessierte für die 732 Lehrstellen bei der Post mit Lehrstart im Sommer 2019 bewerben sich ausschliesslich online (Link Bewerbung)

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