Weltneuheit in der Sortierung: 19’000 Kleinpakete pro Stunde

Nach der Inbetriebnahme von vier neuen regionalen Paketzentren, erreicht die Post jetzt einen neuen Meilenstein in der Verarbeitung von Kleinpaketen und sogenannten Kleinwarensendungen: im Briefzentrum Zürich-Mülligen laufen die Vorbereitungen zur Inbetriebnahme einer neuen, hochmodernen «Mix-Mail-Anlage», die gleichzeitig Kleinwarensendungen aus dem Ausland wie auch Inland-Kleinpakete vollautomatisch verarbeiten kann. Die Anlage hat eine doppelte Sortierkapazität, neu können 19’000 Sendungen pro Stunde verarbeitet werden. Wie funktioniert diese logistische Weltneuheit und welchen Mehrwert bringt sie?

Was viele wissen: Das Briefzentrum Zürich-Mülligen ist das grösste Sortierzentrum der Schweiz und verarbeitet nicht nur 4.5 Millionen Briefe täglich, sondern auch den gesamten internationalen Briefverkehr. Was aber die wenigsten wissen: Seit Monaten sind hinter den Kulissen zahlreiche Monteure an der Arbeit, um die Anlageteile einer neuen riesigen, zweistöckigen Sortieranlage Stück für Stück und eng getaktet zu montieren. Dabei handelt es sich um eine neuartige «Mix-Mail-Anlage» mit der modernsten Technologie.

Die Anlage wird künftig Kleinwarensendungen aus dem Ausland und Kleinpakete aus dem Inlandgeschäft vollautomatisch in Zürich-Mülligen sortieren. Die Arbeit wird aber auch in Zukunft unter den wachsamen Augen der Mitarbeitenden durchgeführt und wo nötig werden diese beherzt eingreifen. «Die Anlage ist weltweit die erste ihrer Art und somit für alle Beteiligten Neuland», erzählt der Projektleiter Patrick Conte. Die Post rechnet damit, dass die neue Anlage ab Sommer 2021 im Vollbetrieb ist.

Die neue Anlage bringt Vorteile für alle
Während die Briefmengen in den vergangenen Jahren stetig zurückgingen, nimmt die Menge an Kleinwarensendungen und Kleinpaketen – vor allem im internationalen Versand – laufend zu. Der boomende Onlinehandel beschert der Post immer mehr Pakete. Die Post muss sich für die Zukunft rüsten und investiert nicht nur in Paketzentren, sondern mit rund 70 Millionen Franken auch in diese hochmoderne und innovative Anlage im Briefzentrum Zürich-Mülligen.

Für Ueli Hurni, Leiter PostMail und Mitglied der Konzernleitung, ist die neue Anlage die Antwort auf die stark gewachsenen Mengen an Kleinwarensendungen: «So können wir nicht nur unsere bisherige Sortierkapazität von Kleinwarensendungen verdoppeln, sondern auch kleine Pakete aus dem Inlandgeschäft sortieren. Damit erreichen wir eine optimale Auslastung der Anlage und entlasten nicht zuletzt auch die Paketzentren. » Dies sei insbesondere während Zeiten mit hohen Paketmengen, wie beispielsweise vor Weihnachten oder auch jetzt in der Corona-Zeit wichtig, so Ueli Hurni.

Bisher wurden die meist unförmigen und weichen Kleinwarensendungen von Hand sortiert. Letztes Jahr waren es 30 Millionen Stück. Die Inbetriebnahme der Anlage kommt zum richtigen Zeitpunkt: In den nächsten Jahren rechnet die Post mit weiteren Zunahmen bei den Kleinwarensendungen und Kleinpaketen.

Auch die Kundinnen und Kunden profitieren davon, dass Kleinwarensendungen und kleinere Pakete rasch, zuverlässig und in hoher Qualität verarbeitet werden können. Ferner ist es auch durchaus denkbar, dass dank der Anlage mittelfristig zusätzliche Empfängerleistungen angeboten werden können.

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Doch wie funktioniert die Anlage überhaupt?
Zurzeit werden die Mitarbeitende vom Briefzentrum für die Handhabung der neuen Anlage geschult. Im ersten Stockwerk misst die Anlage zuerst das Volumen der eintreffenden Kleinwaren und scannt die Adressen. Auf dem grossen Rundumband biegen die grösseren Sendungen vollautomatisch zur Seite hin ab und fallen in eine der 157 seitlichen Endstellen für Sendungen in Sammelbehälter. Bis zu diesem Punkt läuft alles vollautomatisch.

Im darunter gelegenen Teil der Anlage stehen in Reih und Glied noch einmal sechs Reihen mit 1464 Endstellen für Sendungen in Briefbehältern. Dank ihnen kann die Anlage bis auf die Destination feinsortieren. Aber die Maschine ersetzt die Mitarbeitenden der Post nicht: Es ist auch weiterhin viel Handarbeit beim Entleeren der Ziele und Abfüllen der Sendungen in die Briefbehälter gefragt, damit die Briefbehälter optimal gefüllt werden können.

Ernst Huber, Mitarbeiter im Briefzentrum, zeigt sich erfreut: «Die neue Anlage war dringend notwendig, wir konnten die grossen Mengen manuell kaum mehr verarbeiten».

 

Ein Herzstück der neuen Strategie «Post von morgen» ist die Zusammenlegung des Paket- und Briefbereichs
Der Trend der letzten Jahre – mehr Pakete und weniger Briefe – hat sich durch Corona rasant verstärkt. Um die bestehenden Ressourcen optimal zu nutzen und sich für die Zukunft zu rüsten, wird die Post die beiden Bereiche PostMail und PostLogistics ab 2021 zusammenlegen. Die Zusammenarbeit zwischen den Bereichen geht aber bereits heute in vielen Punkten Hand in Hand. So sortieren beispielweise die Mitarbeitenden in den Briefzentren seit Beginn der Pandemie auch kleine Pakete – an Spitzentagen bis zu 150‘000 Stück. «Auch diese neue Anlage im Briefzentrum ist ein perfektes Beispiel, wie PostMail und PostLogistics bereits heute bereichsübergreifend denken und sehr agil zusammenarbeiten», so Ueli Hurni.

 

Kleinwarensendungen aus dem Ausland

Rund 100’000 Kleinwarensendungen aus dem Ausland gelangen täglich über den Landweg und die Flughäfen von Zürich und Genf in die Zentren der Post. Über drei Viertel der Kleinwarensendungen stammen aus dem asiatischen Raum. Das sind täglich rund 80’000 Sendungen.

 

Die Kleinwarensendungen sind aufgrund ihrer unterschiedlichen Abmessungen, ihrer Verpackung und der grossen Menge eine Herausforderung für die Sortierung. Sie sind bis 2 Kilo schwer und grösstenteils vergleichbar mit etwas dickeren Briefen, wie wir sie in der Schweiz kennen.

 

2014: Total Kleinwarensendungen 15.7 Mio. Stück/davon aus Asien 3 Mio. Stück
2015: Total Kleinwarensendungen 18.5 Mio. Stück/davon aus Asien 5.7 Mio. Stück
2016: Total Kleinwarensendungen 23.3 Mio. Stück/davon aus Asien 11.3 Mio. Stück
2017: Total Kleinwarensendungen 28 Mio. Stück/davon aus Asien 17.5 Mio. Stück
2018: Total Kleinwarensendungen 32.8 Mio. Stück/davon aus Asien 23.2 Mio. Stück
2019: Total Kleinwarensendungen 30.2 Mio. Stück/davon aus Asien 23.8 Mio. Stück

 

Automatisierung – keine Neuheit bei der Briefverarbeitung:

Seit 2008 ist die Briefverarbeitung bei der Schweizerischen Post weitgehend automatisiert. Die drei Briefzentren Zürich-Mülligen, Härkingen und Eclépens mit rund 3000 Mitarbeitenden bilden das Herzstück der Briefverarbeitung in der Schweiz. Im Wareneingang, in der Sendungsaufbereitung, im Hochregallager, in der Sortierung, bis zur Kommissionierung und zum Warenausgang kommen moderne Automatisierungslösungen zum Einsatz. Das Bindeglied zwischen diesen Stationen der Briefverarbeitung ist die hochautomatisierte Fördertechnik. Und seit mehreren Jahren können Sendungen maschinell direkt in die Reihenfolge der Hausbriefkästen sortiert werden.