Valérie Schelker: «Bei der Post ist Diversität ChefInnensache!»

Der Bundesrat gibt den bundesnahen Betrieben Richtwerte vor, was die Vertretung von Frauen oder diversen Sprachgemeinschaften in den obersten Leitungsorganen anbelangt. Die Post hat sich über die Vorgaben hinaus eigene Ziele gesetzt. Wie diese ausgestaltet sind und was Diversität für ein Unternehmen wie die Post bedeutet, thematisiert Valérie Schelker, Leiterin Personal und Mitglied der Konzernleitung der Schweizerischen Post im Interview.

Valérie Schelker, die Post sagt von sich, sie sei mit ihren rund 47’000 Mitarbeitenden in der Schweiz ein Abbild der Gesellschaft. Stimmt das wirklich? Wie sieht dieses Abbild denn aktuell aus?
Die Post ist die drittgrösste Arbeitgeberin der Schweiz. Durch die schiere Grösse repräsentiert das Unternehmen die ganze Bevölkerung. Unsere Mitarbeitenden sind heute bereits mit 85 Muttersprachen und 145 Nationen sehr vielfältig. Der Frauenanteil über den ganzen Konzern liegt mit 43 Prozent etwas unter der Hälfte der Belegschaft. Unsere Arbeitsplätze über die ganze Schweiz verteilt. 15’000 Arbeitsplätze befinden sich in ländlichen Gebieten und Randregionen. Vielfalt geht aus unserer Sicht jedoch noch weiter. Vielfalt, so wie wir sie bei der Post verstehen, beschreibt die unterschiedlichen sichtbaren und unsichtbaren Dimensionen von Menschen, wie Geschlecht (Gender), Sprache, Alter, Herkunft, Weltanschauung, Hautfarbe, Religion.

Bleiben wir beim Thema Frauen und Sprachen. Gibt es da Richtlinien, die der Bund vorgibt?
Selbstverständlich gibt es für die Post entsprechende Vorgaben des Bundes. Die Vorgaben beziehen sich aber nur auf den Verwaltungsrat der bundesnahen Betriebe in der Schweiz. Demnach soll der Verwaltungsrat der Post bis Ende 2023 zu 40% mit Frauen besetzt sein (Post 33,3%). Punkto Sprachen liegt die Vorgabe für Deutsch bei 62,2% (Post: 78%). Ich bin zuversichtlich, dass wir diese Ziele auf Stufe Verwaltungsrat erreichen. Damit wollen wir uns aber nicht begnügen. Das langfristige Ziel ist, die Schweizer Bevölkerung auf allen Kaderstufen repräsentativ abzubilden.

Welche Ziele setzen Sie sich denn konkret?
Bis 2024 legen wir den Fokus auf die beiden Dimensionen Gender und Sprache. Wir gehen davon aus, dass wir in diesen beiden Dimensionen die stärksten Hebel für Veränderungen haben. Unser langfristiges Ziel ist, die Schweizer Bevölkerung auf allen Kaderstufen repräsentativ abzubilden. Das bedeutet, dass wir den Frauenanteil anheben müssen und mehr Menschen mit einer anderen Landesssprache als Deutsch ins Kader nehmen sollten. Bis Ende 2024 wollen wir den Frauenanteil im Kader der Post (inklusive Leitungsfunktionen im Gesamtarbeitsvertrag) auf 30 Prozent heben und den Anteil der Kader, die in einer anderen Landessprache als Deutsch kommunizieren, auf 20 Prozent erhöhen.

Weshalb sprechen Sie in erster Linie vom Kader?
Weil die Vielfalt insbesondere auf den oberen Kaderstufen noch weniger ausgewogen ist als in der ganzen Belegschaft. Aktuell beträgt der Frauenanteil auf dieser Stufe 23 Prozent und der Anteil der Französisch, Italienisch und Rätoromanisch sprechenden Kaderpersonen beträgt 18 Prozent (jeweils kumuliert per Ende 2021). Wir haben also noch einen Weg zu gehen.

Warum ist denn die Vielfalt in der Führung für die Post so wichtig?
Wir wollen das Potential einer vielfältigen Führung nutzen, weil wir sehen, dass wir die Zusammenarbeit – und damit letztlich die Kultur – über die Führung wesentlich verändern können. Und wir sind uns unserer Vorreiterrolle bewusst und wollen die Verantwortung wahrnehmen. Das Potential auf dem Arbeitsmarkt auszuschöpfen ist für die Post wichtiger denn je. Die Post muss bis 2025 rund 10’000 Vollzeitstellen rekrutieren. Aufgrund der anstehenden Pensionierungswelle und infolge natürlicher Fluktuation.

Ist das Thema Vielfalt und Inklusion für die Post also kein Hype?
Nein, absolut nicht. Für die Post ist das kein Hype. Zahlreiche Studien belegen, dass gemischte Teams besser performen. Sie sind innovativer, kreativer und profitabler, weil unterschiedliche Perspektiven zusammenkommen und so neue Ideen entstehen. Vielfalt ist also entscheidend für den unternehmerischen Erfolg. In der Konzernleitung der Post haben wir deshalb eine Arbeitsgruppe gebildet, die das Thema Diversität vorantreibt. Es braucht die HR-Sicht und die Business-Sicht. Aus diesem Grund haben wir uns auch in der Gruppe divers aufgestellt: Ich arbeite im Thema sehr eng zusammen mit Nicole Burth, Leiterin Kommunikations-Services und Johannes-Cramer, Leiter des Bereichs Logistik. Sie sehen: Bei der Post ist Diversität ChefInnensache!

Zahlen und Fakten zur Post als Arbeitgeberin
Bei der Post arbeiten rund 47’000 Mitarbeitende, die sich mit voller Kraft für die Post engagieren. Die gelbe Farbe ist prägend auf dem Werkplatz Schweiz. Das bundesnahe Unternehmen ist die drittgrösste Arbeitgeberin und Ausbildnerin in unserem Land: Jede/r 110. Beschäftigte arbeitet bei der Post – in 102 verschiedenen Berufen. Als Arbeitgeberin ist die Post in jedem einzelnen Kanton und in 863 Schweizer Gemeinden präsent. Rund 15’000 Arbeitsplätze befinden sich in ländlichen Gebieten und in den Bergregionen. Nicht zuletzt starten jährlich 750 Lernende eine Lehre bei der Post. Im vergangenen Jahr hat die Post 2,8 Mia. Franken an Waren und Dienstleistungen beschafft, mehrheitlich bei inländischen Unternehmen in ganz unterschiedlichen Sektoren. Die Post sichert somit auch Arbeitsplätze in der Schweiz.

 

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