Post-Mitarbeiter auf Glatteis

Millimetergenaue Arbeit für eine spiegelglatte Unterlage – ohne Eismeister gäbe es weder Playoff-Final noch Eishockey-Titelgewinner. In Bern eine Besonderheit: Die Männer mit den flinken Händen sind allesamt Angestellte der Post und gelten als die «Exoten» des Konzerns. Nun winkt der längste Arbeitstag des Jahres.

Arbeitsplatz PostFinance-Arena: «Unser Job ist ein Privileg». sagt Eismeister David Kalbermatten. Er ist einer von sieben Eismeister der Post Immobilien Management und Service AG. | Bilder: Lena Schläppi/zvg

Arbeitsplatz PostFinance-Arena: «Unser Job ist ein Privileg». sagt Eismeister David Kalbermatten. Er ist einer von sieben Eismeister der Post Immobilien Management und Service AG. | Bilder: Lena Schläppi/zvg

 

Eine neutrale Haltung? Macht an seinem Arbeitsplatz wenig Sinn. Sein Lieblingsspieler? «Jan Mursak». Liebstes Stadion? «Natürlich unseres.» Lieblingsmannschaft? David Kalbermatten lacht: «Wer in diesem Job den SC Bern nicht mag, ist am falschen Ort.» Der 36-Jährige ist Eismeister in der PostFinance-Arena. Er steht auf dem Eis, vor ihm der «Bärengraben», jener breite Gang, der in die Katakomben führt, im Rücken die berühmt-berüchtigte Stehplatzrampe. Es ist Dienstagmorgen, noch ist das Stadion leer. Zwölf Stunden später ist es ausverkauft, über 17 000 Zuschauer, Spiel 3 in der Playoff-Finalserie. Bern gewinnt am Ende gegen Zug deutlich mit 4:1, frenetischer Jubel auf den Rängen. Kalbermatten ist zwar im Dienst, aber auch ergriffen von der Atmosphäre, die Zeit reicht für ein Foto mit Arbeitskollege Lukas Bühlmann, 28, im Hintergrund ein Meer von SCB-Fans. «Es ist ein Traumjob, ein Privileg», sagen beide.

 

Am Match-Tag hautnah dabei: David Kalbermatten und Lukas Bühlmann (rechts). In den Pausen gibt es jeweils einiges zu tun.

Am Match-Tag hautnah dabei: David Kalbermatten und Lukas Bühlmann (rechts). In den Pausen gibt es jeweils einiges zu tun.

Allzeit bereit
Was wenig bekannt ist: Kalbermatten und Bühlmann sind nicht Angestellte des SCB oder der Stadt Bern, sondern Mitarbeiter der Post Immobilien Management und Service AG (IMS). Diese hat seit acht Jahren das Betriebsmandat für die grosse Halle und beschäftigt hier acht Mitarbeiter, im Winter kommen noch zehn Teilzeit-Mitarbeitende für das Aussen-Eisfeld hinzu. Dazu gehören sieben Eismeister, die sich während der Saison in der Halle um das Spiel- und Trainingsfeld sowie um die Aussenanlage kümmern. Ja, auch das ist die Post. «Innerhalb von IMS sind wir die Exoten», lachen beide. Doch die Rolle der Eismeister umfasst längst nicht nur die Fahrt auf der 250 000 Franken teuren Eismaschine. Die Truppe ist auch für den technischen Unterhalt zuständig: Reparieren, Ausbessern, Schräubeln – was immer an Arbeit anfällt, die Eismeister sind rasch zur Stelle. Es ist hilfreich in diesem Job, wenn man nicht zwei linke Hände hat – entsprechend kommt jeder im Team aus einem handwerklichen Beruf. «Hier gib es immer etwas zu tun», sagt Kalbermattens Kollege Lukas Bühlmann. Die Crew putzt auch die Toiletten, entsorgt den Abfall, reinigt die Garderoben. Letzteres gibt derzeit wenig Arbeit. Berns Finalgegner Zug hinterlässt die Umkleide jeweils in einem tadellosen Zustand – «als ob sie einen Staubsauger dabeihätten», lacht Kalbermatten.

Auch eine Sache des Gefühls
Ansonsten ist die Playoff-Finalserie eine ernste Angelegenheit. Die Atmosphäre ist angespannt, der Rummel gross, die Spieler im emotionalen Tunnel. Die Eismeister gehen in dieser Phase noch eine Spur konzentrierter ans Werk. Ohnehin liefern sie perfekte Arbeit ab. Davon zeugen die Auszeichnungen an der Wand im Pausenraum. Beim jährlichen Eismeister-Award rangiert die Truppe seit Jahren in den vordersten Rängen. Wer Eis präpariert, mag es grundsätzlich genau. Was man beim Putzen mit der Maschine vorne weghobelt, wird hinten in Form von Wasser wieder dazugegeben. Es ist zuweilen Millimeterarbeit, eine langwierige Prozedur und für Eis-Profis auch eine Sache des Gefühls. Damit das Eis um 20 Uhr beim Anpfiff finalwürdig ist, beginnt die Arbeit für die Post-Eismeister bereits nachmittags kurz nach 13 Uhr. Immer wieder ziehen sie mit der Maschine ihre Kreise, bessern Furchen aus, warten, ziehen ihr Kreise – stundenlang, bis alles penibel glatt ist und tadellos glänzt.

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Das Kässeli ist prallvoll
Danach haben die Spieler auf dem Eis die Hauptrolle. Die Eismeister sind in den Pausen aktiv. Ansonsten stehen sie hinter der Bande und sind auf Abruf bereit. Etwa, wenn Schiedsrichterentscheide die Gemüter erhitzen und Depotbecher und Münzen auf dem Spielfeld landen. Am Dienstagabend war dies nicht der Fall. Aber allein während des ersten Finalspiels haben die Eismeister 60 Franken auf der Eisfläche eingesammelt. Geld, das ins gemeinsame Kässeli kommt und Ende Saison geleert wird. Bald ist es soweit, in der Ferne winken schon die langen Ferien, doch mindestens ein Heimspiel steht noch an. Matchtage sind lange Arbeitstage, die erst gegen Mitternacht enden. Immerhin müssen die Eismeister nicht auch noch die Stehplatzrampe reinigen – das erledigen andere IMS-Post-Mitarbeiter und weitere Helfer im Stundenlohn. Denn: So sehr das Herz für den SCB und die Post schlägt: Auch der motivierteste Eismeister möchte mal in den Feierabend. Nur: Bereits morgen Samstag kann Bern zuhause die Serie entscheiden, inzwischen steht es 3:1. Dann brechen im Stadion alle Dämme. Für die Eismeister könnte es der längste Arbeitstag des Jahres werden.


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