Innenstadt entpuppt sich für Logistik immer mehr als gordischer Knoten

Wollen Logistikunternehmen auch in den kommenden 20 Jahren in immer dichter besiedelten Gebieten ihre Kunden rasch beliefern, müssen sie heute nach neuen Lösungen suchen. Die Schweizerische Post ist da Pionierin: So prüft sie neue Zustellformen mit Micro-Hubs in Innenstädten und testet autonome, völlig selbstständig fahrende Transportgeräte für Spezialfahrten. Neuerdings auch autonome Spitalroboter für Fahrten innerhalb von Kliniken und Betriebsarealen. Weitere Fahrzeuge sollen im Laufe der Jahre dazu kommen.

Die Entwicklungszahlen der urbanen Schweiz über die letzten 20 Jahre sind eindrücklich: Lebten im Jahr 2000 gut 637’000 Personen in den drei Städten Zürich, Bern und Genf, so sind es knapp 20 Jahre später rund 741’000 Personen. Gut 104’000 Personen sind in dieser kurzen Zeit allein in die drei Städte gezogen – eine Menge, die selbst eine eigene, grössere Stadt hätte bilden können. Eine Stadt mit entsprechender täglicher Versorgung mit Lebensmitteln und Gütern nebst dem Bedürfnis nach Wohnungen, Schulen, Elektrizität und Wasser sowie der Entsorgung des Abwassers und der Abfälle. 104’000 Personen, die täglich im bereits verdichteten Raum zusätzlich konsumieren und entsprechend Produkte des täglichen Bedarfs bestellen, einkaufen und beliefert sein wollen. Dies, beim gleichzeitig zunehmende Wunsch, dass diese Zentren sowohl Wohn-, Arbeits-, Einkaufs – wie auch Erholungsraum in hoher Qualität sein wollen. Damit verbunden und politisch erkämpft: verkehrsfreie Zonen und Begegnungsräume.

«Die Zustellung von Sendungen in städtische Gebiete wird für Logistiker wegen immer kürzeren Lieferzeiten und ausgelasteten Infrastrukturen zunehmend zu einer Herausforderung», sagt Dieter Bambauer, Leiter PostLogistics und Mitglied der Konzernleitung der Schweizerischen Post. «Gefragt sind neue Konzepte sowie eine noch ökologischere Zustellung mit entsprechenden Fahrzeugen». Der Auftrag ist für Dieter Bambauer deshalb klar: «Will die Post ihre Kunden zukünftig in noch dichter besiedelten Gebieten noch schneller beliefern, so muss die Logistik entsprechend flexibel auf die jeweils geeigneten Technologien setzen».

Autonome Transportfahrzeuge können künftig dazu beitragen, Innenstädte von zusätzlichen Lieferfahrten zu entlasten.

Autonome Transportfahrzeuge können künftig dazu beitragen, Innenstädte von zusätzlichen Lieferfahrten zu entlasten.

Neue Konzepte und autonome Transportmittel

Und hier setzt Logistikspezialist Dieter Bambauer auf eine Stärke des Unternehmens Post. Validiert das Unternehmen doch seit über fünf Jahren neue Technologien und Transportmittel, welche künftig genau auf diese logistischen Herausforderungen und Spezialfahrten massgeschneidert sein werden (Link Lieferroboter). Die Post als Dienstleisterin ist hier an vorderster Front dabei, um die Chancen der technologischen Entwicklung zum Nutzen der Schweizer Bevölkerung zu packen.

Beispielsweise testet die Post Micro-Hubs als Teil von alternativen Zustellmodellen: In der Abendzustellung in der Innenstadt von Zürich transportierten letztes Jahr moderne E-Fahrzeuge die Sendungen zu einem Umschlagplatz (Micro-Hub) im Quartier. Von dort bis zu den Haushalten erfolgte die Feinverteilung der Pakete flexibel und ökologisch durch Lastfahrradfahrer. Das Modell ist erweiterbar: Beispielsweise könnten die Sendungen verschiedener Anbieter im Micro-Hub gebündelt und durch einen einzigen Logistiker zugestellt werden. Somit müssten nicht mehr grosse Zustellfahrzeug verschiedenster Anbieter zur Rushhour mehrere Stunden in der Innenstadt unterwegs sein. Die Post entwickelt das Modell derzeit weiter. Lastenfahrräder kommen in der Abendzustellung in Zürich inzwischen regelmässig zum Einsatz.
Vor allem für Spezialfahrten und dringend benötigte Güter testet die Schweizerische Post verschiedene autonome Transportmittel, die in die bestehenden logistischen Dienstleistungen integriert werden können. Dazu gehören selbst navigierende und damit völlig autonome Transportgeräte wie Drohnen, Zulieferroboter oder Shuttles (siehe Grafik). Autonome Transportmittel sind in der Logistik rund um die Uhr verfügbar, günstig im Betrieb und leisten einen Beitrag an ökologischere Transporte. So benötigt eine autonome Drohne in Lugano für den Transport von Laborproben zwischen Spitälern nur 4 Minuten, ohne Verkehr zu verursachen. Ein Kurierfahrzeug benötigt für den gleichen Transport zu Stosszeiten in den verstopften Strassen Luganos bis zu 45 Minuten. (Link Drohnenlogistik.
Heute die Herausforderungen von morgen angehen: Autonome Transportmittel bei der Post

Heute die Herausforderungen von morgen angehen: Autonome Transportmittel bei der Post

Betriebslogistik mit Indoor-Roboter
Was verkehrsgeplagte oder -befreite Innenstädte entlastet, drängt sich auf Betriebsarealen oder in den verwinkelten Korridoren von Unternehmen geradezu auf. In der internen Logistik, z.B. die Zustellung von Dokumenten, Waren oder sogar Mahlzeiten, können autonome Fahrzeuge wie Indoor-Roboter Unternehmen unterstützen. Der selbstständige Warentransport innerhalb von Gebäuden kann die hauseigenen Transportdienste entlasten und ergänzen. So beendet die Post in diesen Tagen einen erfolgen Robotertest zusammen mit dem Spital Nyon des Westschweizers «Groupement hospitalier de l’ouest lémanique». Dieser transportiert jeden Tag Laborproben vom Empfang durch die Spitalgänge zum betriebsinternen Labor.
Der Spitalroboter navigiert mittels eines 3-D-Mappings: Einmal abgefahren, fährt der von der US-Firma «Aethon» entwickelte Roboter die Strecke durch die Gänge des Spitals autonom. Mit Lasersensoren erkennt er Hindernisse auf Distanz, wartet oder weicht diesen aus. Er kommuniziert per WLAN mit Liften und Türen. Transportiert der Spitalroboter in Nyon Laborproben, so liesse sich mit dem gleichen Fahrzeug beinahe alles transportieren bis zu einem Gewicht von 700 Kilogramm: Medizinisches Material, Medikamente, Esswaren, interne Post oder Abfälle. Das Gefährt muss lediglich mit dem entsprechenden Aufsatz bestückt werden – und bei Bedarf auch mit abschliessbaren Fächern (Link Beitrag Logistikpunkt). Die Post als Logistikexpertin integriert solche neuen Technologien in die logistischen Abläufe der Kunden, damit die digitalen Helfer ihren Nutzen optimal entfalten (Link Logistikpunkt).
Mit dem Indoor-Roboter unterstützt die Post als Logistikspezialistin in einer ersten Phase Kunden aus dem Gesundheitswesen und sammelt nicht zuletzt auch Erfahrungen für die eigene Verwendung. In der Gesundheitsbranche – insbesondere in den Spitälern – wächst das Bedürfnis nach neuen, effizienten Logistiklösungen aufgrund des Kostendrucks und den Möglichkeiten der Digitalisierung. «Die autonomen Transportmittel bringen hier für die Post und ihre Partner einen neuen Lösungsansatz. Weitere Fahrzeuge und Anwendungen in anderen Branchen werden mit Bestimmtheit folgen und im Alltag dereinst selbstverständlich sein», blickt Logistikfachmann Dieter Bambauer in die nähere Zukunft.
Drohnenflug über Lugano

Drohnenflug über Lugano

 

Zulieferroboter in der Innenstadt Zürich

Zulieferroboter in der Innenstadt Zürich