Es summt auf dem Dach des Briefzentrums

Auf dem Dach des Briefzentrums in Zürich-Mülligen stehen seit Mitte März 2021 acht Holzkästen, die Bienenvölker beherbergen. Wie die Idee eines Mitarbeiters zum Fliegen kam.

Wer aufs Dach des Briefzentrums Zürich-Mülligen tritt, macht eine ungewöhnliche Entdeckung: Mitten auf dem Dach stehen zahlreiche grosse Holzkisten, in denen es summt und brummt. Seit Mitte März 2021 gibt es da neue Bewohnerinnen – acht Bienenvölker mit insgesamt über 250’000 «Post-Bienen». Dahinter steckt die Idee von Rudolf Ricklin, Mitarbeiter bei der Post. Für ihn ist klar: Bienen erfüllen für den Menschen lebensnotwendige Aufgaben. Man muss sie deshalb erhalten, damit sie ihre Aufgabe in der Natur weiterhin erfüllen können.

Eine Idee kommt zum Fliegen
«Nachdem ich im Fernsehen eine Dokumentation über Biodiversität gesehen habe und dabei feststellte, dass es in der Schweiz immer weniger Bienen gibt, war für mich klar: Dagegen möchte ich etwas unternehmen», erklärt Rudolf Ricklin. Ziemlich rasch kommt er auf den Gedanken, ein Bienenvolk auf einer ungenutzten Fläche des Briefzentrums in Zürich-Mülligen anzusiedeln. «Für mich war der Gedanke sehr naheliegend, da mich die fleissigen Bienchen an die ebenfalls fleissigen «gelben» Postmitarbeitenden erinnert haben», schmunzelt der 57-jährige Ricklin. Nach Gesprächen mit dem Sicherheitsverantwortlichen des Briefzentrums und dem Verein Zürcher Bienenfreunden konnte die Idee in nur wenigen Monaten die Tat umgesetzt werden. «Ich freue mich riesig! Das ist ein Beitrag zur Erhaltung und Förderung der für den Menschen lebensnotwendigen Bienen», so Ricklin.

Imker Peter Grütter (links) und Rudolf Ricklin von der Post (rechts) begutachten die ersten Behausungen der Bienenvölker im Frühling 2021.

Heute stehen acht Bienenhäuser auf dem Dach des Briefzentrums – und damit bereits zwei mehr als zum Start im Frühling. Peter Grütter, Imker aus Zürich, betreut die Bienen. Der Ort ist durch seine Fläche nicht nur praktisch und bietet Grütter eine schöne Aussicht, der kleine Imker-Standort ist auch eine willkommene Abwechslung für die Mitarbeitenden des Briefzentrums: «Das Personalrestaurant liegt auf derselben Ebene. Meine Arbeit hier führt oft zu interessierten Blicken und immer wieder zu kurzen Gesprächen», sagt der Imker zufrieden.

Den ersten «Post-Honig» essen die Bienen selber
Jedes der acht Bienenvölker ist in der Lage, etwa 8 Kilogramm Frühjahrhonig und 5 Kilogramm Sommerhonig herzustellen. Dabei ist die Honigernte jeweils vom Futterangebot in der Umgebung und dem Wetter abhängig. Die Schlechtwetter-Periode im Frühling und Sommer dieses Jahres hat entsprechend für erschwerte Bedingungen gesorgt. Der gewonnene Honig hat gerade für den bieneneigenen Bedarf ausgereicht. «Zwischenzeitlich mussten die Bienen sogar nachgefüttert werden, damit sie nicht verhungern», sagt Peter Grütter.  Er schätzt, dass es heuer bis Ende August höchstens 2 Kilogramm Sommerhonig geben wird. «Bei diesen Mengen lohnt sich das Aufstellen einer Honigschleuder natürlich nicht. Den Honig überlassen wir den Bienen», sagt er. Er fügt aber auch an, dass es bei diesem Vorhaben vor allem um den Erhalt der Bienen gehe und weniger um die Honig-Ernte, ganz im Sinne des Initianten Rudolf Ricklin von der Post. Dieser hält unterdessen Ausschau nach weiteren Dächern der Post, die für Bienenvölker in Frage kommen könnten.