Die Post liefert Köstliches mit Köpfchen

Frisch und heissbegehrt: Bereits strecken die ersten Spargeln auf heimischem Boden ihre Köpfe in Richtung Sonne, bald wimmelt es auf den Feldern von Erntehelfern. Was das mit der Post zu tun hat? Sie unterstützt Produzenten bei der Logistik auf der «Letzten Meile». Ein Beispiel aus dem Grossen Moos.

Königinnen des Gemüses: Noch zeigen sich wenige Spargeln an der Oberfläche. Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen ändern. Dann spriessen sie in rauen Mengen. | Bilder: Erich Goetschi

Königinnen des Gemüses: Noch zeigen sich wenige Spargeln an der Oberfläche. Das wird sich in den nächsten Tagen und Wochen ändern. Dann spriessen sie in rauen Mengen. | Bilder: Erich Goetschi

 

Eigentlich, sagt Christian Hurni, eigentlich sei es hier wie in einem Logistikzentrum der Post. «Es wird effizient sortiert, am Ende kommt es an den richtigen Ort.» Der Gemüseproduzent steht vor grünen Kisten auf dem Hof in Kerzers FR. Darin ist die erste Ernte der Saison zu sehen: Weisse Spargeln, dicke, dünnere, schöne und weniger schöne. Sie sind vorgewaschen und schockgekühlt. Nun hat jede ein kurzes Rendez-vous mit dem Scanner – und das macht Sinn, denn: Gescannt von drei Seiten, landen die Königinnen des Gemüses danach je nach Dicke und Qualität in einem der 24 Ablagefächer, Kalibrierungsanlage sei Dank. Eine topmoderne Sache, Christian Hurni freuts. «So verhindern wir Food-Waste, werden verschiedensten Ansprüchen gerecht und können Spargeln in unterschiedlichster Qualität liefern.» Zusammen mit drei weiteren Berufskollegen führt Hurni die «Seeländer Spargeln», seit acht Jahren gibt es die GmbH, das Geschäft brummt. In den nächsten Tagen geht die Saison richtig los. Es gibt viel zu tun auf den Feldern mit den aufgeschichteten Erddämmen, die in Planen gehüllt und zusätzlich mit Plastik übertunnelt sind. Das speichert Wärme und die weissen Spargeln recken so ihre Köpfe schneller aus dem Boden. Ist es soweit, muss es schnell gehen, denn zu viel Licht mindert die Qualität. Deshalb laufen die Angestellten bald täglich alle Felder ab, 22 Hektaren insgesamt, stundenlang, und ernten mit fachkundiger Hand, was sie erspähen. Dasselbe geschieht bald auch beim Grünspargel, der etwas später spriesst und nicht lichtempfindlich ist.

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Logistik: Zwei Varianten sind möglich
Günstig, das weiss auch Hurni, sind die Spargeln von ihm und seinen Kollegen wegen der hohen Personalkosten nicht, und die Konkurrenz aus dem Ausland vertickt ihre Ware bereits Anfang März an die Grossverteiler, die seit Wochen in den Regalen stehen. Aber das grosse Plus: Ihre Seeländer Spargeln sind frisch. Und sie stammen aus regionaler Produktion. Das liegt seit Jahren schwer im Trend und freut ihre Abnehmer: grösstenteils regionale Gastronomen und Grossverteiler, die von der GmbH beliefert werden. Aber es freut auch private Konsumenten, die den Onlineshop der Spargelproduzenten aus dem Seeland immer mehr nutzen. Und hier kommt die Post ins Spiel, denn sie unterstützt «Seeländer» Spargeln» bei der Logistik und bietet zwei Lösungen:
Variante 1, regional orientiert: Die Produzentin liefert die Spargeln an die Post-Betriebsstellen in Ostermundigen, Bern und Bümpliz, von wo aus die Pöstler die Spargeln an Frau Müller und Herr Meier in der Stadt und Agglomeration Bern zustellen – natürlich noch am gleichen Tag.
Variante 2, über die Region hinaus: Die GmbH gibt die verpackten Spargeln als Geschäftskundin am Schalter der Post auf und bezahlt pro Päckli je nach Gewicht den offiziellen Listenpreis. Danach erhalten die privaten Kunden ihr Spargel-Päckli.

Im Päckli? Funktioniert wunderbar
Fazit: Jeder tut, was er am besten kann. Die vier Bauern liefern Spitzenprodukte, die Post spielt ihre Stärken in der Logistik aus. Und es ist eine Win-Win-Win-Situation. «Seeländer Spargeln» erreichen Kunden in der ganzen Schweiz, die sie sonst nicht beliefern könnten. Diese wiederum kommen unkompliziert zu frischem Gemüse und sparen sich den Weg. Und die Post? Befriedigt mit einem innovativen Angebot aktuelle Bedürfnisse. Als Spezialistin im Holen und Bringen von Dingen ergänzt und stützt sie so das postalische Kerngeschäft mit neuen Dienstleistungen auf der sogenannt «Letzten Meile». Für Christian Hurni eine gute Sache. «Es ist ein zusätzlicher Absatzkanal, wir sind zufrieden mit diesem Angebot.» Noch ist das Volumen im Vergleich zu den Lieferungen an Gastronomen und Grossverteiler klein, doch es nimmt zu. Der Gemüsebauer ortet aber eine psychologische Hürde in den Köpfen zahlreicher potentieller Kunden. «Bleiben die Spargeln in einem Päckli denn auch frisch?», werde er oft gefragt. Christian Hurni schmunzelt: «Natürlich». Mitunter auch deshalb, weil die Post schnell und zuverlässig liefert, oder anders gesagt: genau so exakt arbeitet wie Christian Hurnis Kalibrierungsanlage.

Mehr Infos zu «Seeländer Spargeln» gibt es hier.



«Letzte Meile» kurz erklärt

  • Die Zustellung regionaler Produkte ist nur eines von zahlreichen neuen Geschäftsfeldern, auf das die Post seit geraumer Zeit schweizweit setzt.
  • Dienstleistungen auf der «Letzten Meile» ergänzen das Kerngeschäft der Post und sind eine Antwort auf die sinkenden Briefmengen und verfolgen das Ziel, wandelnde Kundenbedürfnisse zu befriedigen.
  • Oder anders gesagt: Die Angebote auf der «Letzten Meile» sollen den Kunden den Alltag erleichtern. Mehr Infos finden Sie hier.

 



Spargel-Facts

  • Der Saisonbeginn hängt stark vom Wetter ab, das Ende ist hingegen klar definiert: Die Spargelernte dauert immer bis am 21. Juni, danach ruhen der Spargelstock und auch der Verkauf.
  • Apropos Stock: Spargelstechen ist etwas für Spezialisten mit starkem Rücken. Der Schnitt mit dem am Ende scharf geschliffenen Stecheisen geschieht in 24 Zentimeter Tiefe. Zu tief angesetzt, geht die Pflanze ein. Wer es richtig macht, kann eine Spargelpflanze sieben bis neun Jahre alt werden lassen.
  • Gewusst? Den streng riechenden Urin nach dem Spargelschmaus können nur rund die Hälfte aller Menschen riechen. Den anderen fehlen dazu die Rezeptoren, auch Spargel-Anosmie genannt. Das ist – wie so vieles – genetisch bedingt.
  • Apropos Schmaus: Auch dieses Jahr laden «Seeländer Spargeln» vom 3. bis 5. Mai 2019 zum dreitägigen Spargelfest – Interessierte können den Betrieb besichtigen, es gibt einen Märit und eine Festwirtschaft.