Die Post ist auch per Schneetöff unterwegs

Bereits seit 20 Jahren ist Anja Leiggener auf der Riederalp im Einsatz für die Post. Im Winter sind dort die Strassen mit Schnee bedeckt, weshalb ein ganz besonderes Fahrzeug zum Einsatz kommt. Und mit diesem Vehikel kann es auch ganz schön abenteuerlich werden.

An einem Ort arbeiten, wo andere Urlaub machen? Für viele klingt das nach einem Traum. Für Anja Leiggener ist es die Realität: Sie arbeitet im Ferienort Riederalp und beliefert das Dorf mit der Post. Auf der Riederalp hat man bei klarer Sicht eine eindrückliche Aussicht auf die Gipfel der Walliser Alpen. Während die Umgebung im Sommer zu Wanderungen einlädt, zieht die Region im Winter viele Schneesportler an. Besonders dann wird es für die Pöstlerin abenteuerlich: Denn wenn das autofreie Dorf mit Schnee bedeckt ist und die Strassen schmal und steil sind, kommt ein ganz besonderes Fahrzeug zum Einsatz: Leiggener ist nicht etwa – wie man es von Pöstlern kennt – mit Auto oder Elektro-Dreiradroller unterwegs – sondern mit einem Schneetöff.

Bereits seit 20 Jahren arbeitet Anja Leiggener für die Post.

 

Wie eine kleine Familie
Anja Leiggener arbeitet seit 20 Jahren für die Post auf der Riederalp. «Während ich zu Beginn noch in der Postfiliale unterstützt habe, stelle ich seit deren Schliessung vor gut vier Jahren Briefe- und Pakete zu», so die 48-Jährige. Ein Navi braucht sie schon lange keines mehr. Mit ihrem Schneetöff ist sie nicht nur im Dorf selber unterwegs, sondern erreicht in wenigen Minuten auch Häuser ausserhalb des Dorfes. So kennt sie jede Strasse und jeden Winkel auf der Riederalp. Und während sie auf den gut befahrbaren Strassen im rasanten Tempo praktisch auf dem Schnee gleitet, kann es ihr bei steilen Strassen doch auch mal mulmig werden: «Es gibt gewisse Häuser, die nur mit einer engen, steilen Strasse erreichbar sind. Da bin ich dann auch jeweils froh, wenn ich diese Häuser auf der täglichen Tour hinter mir gelassen habe». Und obwohl der Schneetöff wendig ist und eben auch steile Strassen befahren kann, gab es dennoch bereits eine Situation, in welcher der Schneetöff gekippt ist. «Ich gebe zu, da war ich wohl etwas übermütig», schmunzelt Leiggener. Doch zum Glück sei alles gut gegangen: «Zufällig waren gerade zwei Fussgänger hinter mir – diese haben dann ohne zu zögern geholfen den Schneetöff wieder aufzustellen und ich konnte ohne Probleme weiterfahren. Also alles gut gegangen», erinnert sich die Pöstlerin an das Erlebnis. Und genau dies sei auch das Besondere an der Riederalp. «Wir sind hier fast wie eine kleine eingeschworene Familie, die sich bei Bedarf auch gegenseitig unterstützt». Und das Leiggener nicht nur die Strassen, sondern auch die Leute im Dorf kennt, spürt man, wenn man mit ihr auf ihrem Schneetöff unterwegs ist: Man hebt die Hand, grüsst sich und nicht selten fragt auch mal jemand «Na Anja, wie geht’s?».

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Alles etwas Anders
Und sie ist sich bewusst: Auf der Riederalp geht es anders zu und her als sonst wo: «Auch wenn ich mir ab und zu Zeit nehme für kurze Gespräche, bin ich dennoch spätestens am Mittag mit meiner Tour fertig», erzählt Leiggener. Dies sei ganz anders als in städtischen Gebieten, wo die Zustellung auch mal bis in den späten Nachmittag andauern könne. Doch bevor die Arbeit für die 48-Jährige überhaupt starten kann, muss zunächst die Post zu ihr kommen. «Jeweils um 6.39 Uhr fährt diese mit der Gondel von Mörel auf die Riederalp», so Leiggener. Oben angekommen, startet sie mit der Vorsortierung der Briefpost und dann kann es auch schon losgehen: Der Schneetöff wird aus seiner Garage geholt und beladen: Während die Briefe und Zeitungen in der Regel nur eine vollbepackte Kiste ausmachen, sind es gut 60 Pakete, die Leiggener täglich verteilt. Das Bepacken des Schneetöffs ist dabei nicht immer einfach: Es wirkt schon fast wie das Spiel «Tetris» – denn schliesslich müssen alle Pakete, ob klein oder gross, schmal oder breit auf dem Vehikel ihren Platz haben. Besonders am Schneetöff: Für die Päckli stehen nur zwei Gitterkörbe zur Verfügung. «Ich kann aber einen Anhänger befestigen, wenn die Paketmengen – wie beispielsweise vor Weihnachten – zunehmen», erklärt Leiggener.  Während rund drei Stunden, verteilt die Pöstlerin im Anschluss die Tagespost. Und auch wenn sich dieser Ablauf von Montag bis Samstag wiederholt, übt Leiggener ihren Beruf dennoch mit Freude aus. «Für mich ist es immer schön zu sehen, wenn ich mit kleinen Dienstleistungen meine Mitmenschen entlasten kann und auch merke, dass die Leute meine Arbeit wertschätzen». Und so ist für Leiggener auch klar: «Nach einem Urlaub freue ich mich jedes Mal aufs Neue wieder auf meine Arbeit und bin gespannt darauf, was mich erwartet».

 

Als der Pöstler noch mit den Skiern unterwegs war
Bereits in Vergangenheit mussten Zusteller und Zustellerin teils kreativ werden, wenn der erste Schnee lag. Eindrücklich zeigt dies die nachfolgende Bildergalerie:

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