Die Post bietet Wintersturm «Benjamin» die Stirn

Dass trotz Schneegestöber Briefe und Pakete pünktlich ankommen, ist den vielen engagierten Pöstlerinnen und Pöstlern zu verdanken, die dafür Tag für Tag dem Wetter trotzen. Hier erfahren Sie aktuell, wie die Post und ihre Mitarbeitenden die schneereichen und mitunter stürmischen Tage erleben.

(15. Januar 2019)

Schneeverwehungen, gesperrte Strassen und Lawinen behindern die Arbeit der Post

Meterhoch liegt der Schnee und Lawinen verunmöglichen es, Pakete und Briefe überall auszuliefern. Disentis war komplett von der Aussenwelt abgeschnitten und das Oberengadin auf der Strasse von Norden her über den Julierpass nicht mehr erreichbar. Auch in den Gemeinden Goms und Obergoms im Wallis sind Strassen teilweise noch gesperrt. Die Sendungen sind sicher Zwischengelagert und sollen rasch möglichst zugestellt werden.

«Diese Nacht hat es nochmals geschneit, aber die Prognose lässt hoffen, dass es jetzt besser wird», sagt Elsbeth Derungs. Die Pöstlerin aus Lenzerheide hat so viel Schnee auf einmal in ihrer 30-jährigen Zeit bei der Post noch nie erlebt. Auch unter den aktuell schwierigen Bedingungen setzen sie und ihre Kolleginnen und Kollegen alles daran, Briefe und Pakete termingerecht auszuliefern. Oberstes Gebot bleibt jedoch die Sicherheit und Gesundheit der Pöstlerinnen und Pöstler, die wiederholt vor geschlossenen Schranken stehen bleiben müssen.

Wie hier in der Gegend von Amden (SG) sind zahlreiche Wege und Strassen infolge Lawinengefahr gesperrt.

Wegen Lawinengefahr und riesigen Schneemassen war es beispielsweise im Oberengadin und im Bündner Oberland nicht möglich, rund 12’000 Sendungen zuzustellen. Auch im Oberwallis und Teilen des Kantons Glarus gibt es mancherorts noch kein Durchkommen – es liegt schlicht zu viel Schnee und es drohen Lawinen.

Wunderschön aber auch gefährlich – Schnee soweit das Auge reicht, wie hier im Kanton Glarus.

«Ohne Schneeketten geht gar nichts mehr»

Nicht ganz so dramatisch ist die Situation auf der Lenzerheide, auch wenn auf einigen Strassen ebenfalls kein Durchkommen mehr ist. «In Parpan ist der Weg Richtung Jochalp wegen Lawinengefahr gesperrt. Da die Briefkästen der Familien, welche dort wohnen, vorne im Tal stehen, konnte ich die Briefe dennoch einwerfen», erzählt Pöstlerin Elsbeth Derungs.

«Land unter» auf der Lenzerheide.

Glücklicherweise guckt der Markierungspfosten gerade noch so aus dem Schnee heraus.

Im Prättigau, in Davos und auf der Lenzerheide hat es teilweise gewaltige Schneemassen. Elsbeth Derungs schätzt, dass mindestens eineinhalb Meter Schnee liegt. «Wir haben aber auch Schneeverwehungen von weit über zwei Metern», sagt die 50-jährige Bündnerin. «Ich habe Schneeketen montiert, ohne sie wäre ich gestern und heute nicht bis zum höchsten Punkt meiner Zustelltour gekommen».

Dieser liegt beim Berghotel Tgantieni auf über 1800 Meter über Meer, das Ex-Skirennfahrer Silvano Beltrametti mit seiner Frau Edwina betreibt. «Bei guten Verhältnisse liegt das Hotel 10 Minuten Autofahrt oberhalb des Dorfes – heute war ich froh, überhaupt hinauf zu kommen. Aber die Kollegen vom Schneeräumdienst Lenzerheide haben tolle Arbeit geleistet», freut sich Derungs.

Hier ist Schluss – Sicherheit geht vor.

Am meisten Schnee hat es in Lenzerheide Valbella. Doch bis auf drei Häuser kann Elsbeth Derungs auch hier alle Briefe und Pakete in die Briefkästen bringen. Die Mutter von vier erwachsenen Kindern ist mit kurzen Unterbrüchen seit rund 30 Jahren mit dabei und hat bereits die Lehre bei der Post gemacht. «So viel Schnee in so kurzer Zeit habe ich in all den Jahren aber noch nie erlebt. Im Winter 1999 hatten wir auch viel Schnee, aber der fiel nicht innert 48 Stunden.» Umso erstaunter war sie, als frühmorgens trotz widrigster Bedingungen das Postauto pünktlich von Davos her nach Chur an ihr vorbei fuhr. Wie Elsbeth Derungs tun auch die Postauto-Fahrerinnen und Fahrer alles dafür, ihre Kunden selbst bei diesen herausfordernden Wetterbedingungen nicht im Stich zu lassen.

 

 

(10. Januar 2019)

Alles WEISS von Andermatt bis Davos

Die Post musste sich heute Donnerstag durch immer grössere Schneemassen kämpfen. Parallel steigt die Lawinengefahr in den Alpen sukzessive an – wobei ebenfalls gefährliche Dachlawinen drohen.

Dachlawinen werden zunehmend ein Risiko für die Bewohner und ebenfalls für die Pöstler bei ihrer Arbeit.

Pöstler Peter Kempf auf seiner Zustelltour in Andermatt-Hospental-Realp, wo sich die Schneemassen in den Strassen und Gassen türmen.

Auch wenn in den Schweizer Alpen noch nicht dieselben prekären Zustände wie in Teilen von Bayern und Österreich herrschen, wachsen die Herausforderungen für die Post bei der Zustellung und vor allem auf den Zufahrtswegen. Wintersturm „Benjamin“ bringt weiter Schnee und nach einer kurzen Verschnaufpause am Samstag werden ab Sonntag neue Fronten für noch mehr weisse Pracht sorgen.

 

Wie in Andermatt kommt zum Schnee oft noch heftiger Wind hinzu, der grosse Schneeverwehungen verursacht. Aktuell erschwert der viele Schnee die Arbeit zwar – mancherorts sogar erheblich – Pakete und Briefe können jedoch auch in stark verschneiten Gebieten weitgehend überall ausgeliefert und der Haus-Service, wo es ihn gibt, angeboten werden .

Briefkasten-Impressionen aus Davos und Umgebung.

So stabil wie die Schneehaube es erscheinen lässt, ist die Schneedecke leider nicht – die Lawinengefahr in den Alpen ist bereits hoch und steigt weiter an.

 

 

(9. Januar 2019)

«Briefkästen muss ich manchmal ausgraben»

Schneeflocken wehen Claudia Egli ins Gesicht, als sie frühmorgens um 5 Uhr im Bündner Bergdorf Furna ins Auto steigt. Bevor ihre Zustelltour beginnt, muss die Pöstlerin zuerst 14 Kilometer hinunter nach Küblis fahren, um Briefe und Pakete zu sortieren und abzuholen.

Nicht nur, dass es schneit – auch die Sicht ist schlecht und Nebelfetzen hängen wie klebrige Zuckerwatte an den Berghängen. «Bei diesem Wetter darf man nichts riskieren. Wenn es zu eisig und steil wird oder ich nicht mehr wenden kann, steige ich lieber aus dem Auto und gehe die letzte Strecke zum Briefkasten zu Fuss», erklärt die umsichtige Prättigauerin.

Bevor sie Post einwerfen konnte, musste Claudia Egli den Briefkasten erst einmal mit der Schaufel ausgraben.

 

Ihre Tour wird die erfahrene Pöstlerin von Küblis via Fideris und Pragg Jenaz wieder zurück nach Furna führen, wo ihr Mann mit dem Sohn einen Bauernbetrieb mit Kühen und Schafen führt. Doch bis sie wieder Zuhause ist, wird sie fast 60 Kilometer zurückgelegt und dabei rund fünf Stunden lang Briefe und Pakete verteilt haben.

«Hier oben sind die Wege schmal – erst recht jetzt, wo am Strassenrand meterhoher Schnee liegt», schildert Claudia Egli die Verhältnisse. «Und Du weisst nie, ob Dir in der nächsten Kurve jemand entgegenkommt». Im Winter dauert ihre Zustelltour rund eine Stunde Länger als im Sommer und kann nervenaufreibend sein. «Angst habe ich aber nicht, notfalls ziehe ich Schneeketten auf – und für morgen hat der Wetterbericht noch mehr Schnee angesagt, dann geht es nicht mehr ohne Ketten.»

 

 

Wenn der Wind die Flocken waagrecht den Hang hinaufbläst, versinkt alles im Schnee – auch die Briefkästen. «Manchmal komme ich mir vor wie ein Eichhörnchen, das die im Sommer vergrabenen Haselnüsse sucht. Nur dass es bei mir Briefkästen sind, die ich wiederfinden und mit der Schaufel ausgraben muss», lacht die 60-jährige Bündnerin.

Auch heute hat sie ihre Schaufel mit dabei und findet zielgenau den Ort, wo unter einer mächtigen Schneeverwehung ein Briefkasten steht und gräbt ihn aus. Es ist nicht der letzte an diesem Tag – denn Furna liegt auf 1400 Meter über Meer und ihre Tour dauert noch eine Stunde.